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01.01.2005 / Heilbronner Stimme Wolfgang Fischer


Das Billard-Ass setzt sich beim „Revillo-Cup“ in Neckarsulm durch – Staab gehört die Zukunft

„Dracula“ Janke mit dem „Pokerface“

Mit dem Erfolg des favorisierten Bernd Jahnke (BV Fortuna Straubing) endete am Donnerstagabend der „Revillo-Cup“ im Neun-Ball-Billard im Neckarsulmer „Carambolage“. „Er ist unser Dracula; Bernd fordert Dich, saugt Dich mental aus“, meinte Endspielgegner Evangelos Vettas nach dem knapp 120-minütigen Spiel, das er mit 7:9 verlor.

Dritter des German Grand-Prix, der als zweiter von drei Qualifikationen zur Deutschen Meisterschaft gewertet wurde, wurden Holger Gries (Karben) und der erst 19-jährige Sebastian Staab (Kirkel-Limbach).

Über 200 Spieler hatten am Dienstagvormittag die Vorrunden aufgenommen – für die beiden Finalisten war es die neunte Partie, bis sie 1.500, bzw. 800 Euro als Preisgeld von Turnierorganisator Peter Flicker entgegennehmen durften. Neben seiner vorzüglichen Technik bestach Janke in der Tat im Halbfinale und Endspiel mit großer mentaler Stärke.

Obwohl der nun zweifache Turniergewinner von Neckarsulm in der Vorschlussrunde gegen Staab relativ schnell mit 1:4 in Rückstand lag, schien er ab dem sechsten Spiel im Kopf einen Hebel umzulegen: Der 32-Jährige ließ seinen Kontrahenten nicht mehr ins Spiel kommen und beendete die Partie mit einem 9:4-Erfolg.

Im Endspiel verzweifelte Vettas an Janke.
Der vierfache griechische Meister kam zwar zweimal zum Ausgleich (3:3 und 7:7), aber jedes Mal konterte das ehemalige deutsche Nationalkadermitglied vor allem mit exzellentem Sicherheitsspiel.

Emotionslos, fast mit einem „Pokerface“, beobachtete er seine Gegner, als auch den Lauf der Kugeln nach eigenen Stößen. Nur im letzten Match des Finales zeigte er seine Gefühle.

Als ein „Sicherheitsstoß“ unglücklich verlief, Vettas ins Spiel brachte, der aber die Chance zum 8:8-Ausgleich ausließ, stieß Janke ein langgezogenes „Jaaa“ aus. Gleichzeitig legten die Zuschauer die bislang faire Zurückhaltung ab.
Statt dem vornehmen Fingerschnippen als Bekundung für Anerkennung, spendeten die knapp 100 Zuschauer erstmals verhaltenen Beifall. Jankes letzter Stoß zum Sieg war nur noch Formsache, bedurfte keines mentalen Kraftaktes mehr. Strahlend und bestens gelaunt feierte während des Finales bereits der junge Nicolas Staab seine Halbfinalteilnahme. Jankes Routine habe sich durchgesetzt, meinte er nur.

Ein Ball aus dem sechsten Spiel bei seiner 4:1-Führung, „über den ich mich noch in zwei Wochen ärgern werde“, hatte seinen „Lauf“ gestoppt. Dennoch, „ihm gehört die Zukunft“, glauben seine Kollegen aus der Herrenklasse. „Bei Janke bewundere ich vor allem die Ruhe, wie er sich in jeder Situation zeigt“, bemerkt der Saarländer. „Aber 2005 komme ich wieder und hoffe auf ein neues Duell mit Bernd. Aber dann...!“, freut er sich schon auf ein neuerliches Zusammentreffen.
Nicht minder bemerkenswert war die Viertelfinalteilnahme des 16-Jährigen Ottermann. Neben seinem Abitur im Sommer will er endlich Junioren-Europameister werden, nach dem er zweimal Fünfter war. Vielleicht geht es dann in die USA, um in den Hochburgen des Billardsports Erfahrungen zu sammeln und ein paar Dollars zu verdienen.

Breitensport auf hohem Niveau. Dem Billard fehlt noch die Fernsehpräsenz

„Die Turniere in Neckarsulm sind Kult“, heißt es in der Szene, und der 16.mit Spielern aus acht Nationen besetzte Event im Bistro-Billard-Cafe „Carambolage“ bestätigte diesen Ruf. Das Gesamtpreisgeld von 10.200 Euro ist eines der höchsten in Deutschland für die Sparte Neun-Ball. Durch die breite Streuung dieser Summe bis zum 96. Platz, gehört es seit Jahren zu den meistbesuchtesten. Es vereint sowohl Spitzen-„Senioren“, wie den 42-jährigen Reiner Wohlrab (Aldenhoven) und das 16 Jahre alte Talent Nicolas Ottermann (Walldorf) als fünffachen Junioren-Europameister im Acht-Ball-Spiel.

Oder auch den Hobbyspieler Peter Busarac aus Heilbronn. Der 28-jährige versuchte sich als Profi und verdient nun doch seit fünf Jahren sein Geld mit dem Bistro „Manhattan“. Nur mit ständigem Training ohne berufliche Ablenkung sei Spitzenleistungen möglich, erklärt er seinen Rückzug. Billard blieb aber sein Hobby und so freute er sich, wenigstens die Runde der letzten 64 erreicht zu haben. Neckarsulm bot Billard-Breitensport auf sehr hohem nationalem Niveau. Die Gewinner mussten mit kleinen Schecks zufrieden sein und den sportlichen Wert in den Mittelpunkt stellen.

Dafür konnte sich aber der 96. noch über 40 Euro freuen, die fast die Startgebühr deckten. Die Terminüberschneidung mit dem Kontinental- vergleich USA gegen Europa in Egmond an Zee in Holland hatte dieses Jahr den Start einiger Topspieler verhindert. Die absoluten, europäischen Nummer eins, Ralf Soquet durfte während des Turniers seine Tochter für ein paar Tage verwöhnen, war somit aus einen sehr wichtigen Grund an der Teilnahme verhindert, erklärt Turnierleiter Peter Flicker. Stolz blickt er dabei zwei Jahre zurück, als im Finale mit Soquet der Weltranglisten-Erste auf den Europa-Tour-Leader, den Holländer Nick Van de Berg (Holland) traf.

Profi-Billard fährt in unserem Land auf einer schmalen Spur, obwohl Deutschland drei Weltmeister stellt. An einer Hand lassen sich Spieler mit einem verträgliches Jahres-Einkommen von 30.000 bis 40.000 Euro abzählen. Das große Geld verdienen sie dabei im Ausland. Nur punktuell würden große Unternehmen Turniere und Sportler sponsern. „Bei uns in Deutschland bedürfte es einer stärkeren TV-Präsens“, klagt Wohlrab.

Flicker ergänzt, dass jedoch die Bestellung eines Beitrages im Deutschen Sportfernsehen mindestens 10.000 Euro kosten würde, die er nicht aufbringen könne. Vielleicht sollte die Deutsche Billard-Union seine Strukturen überdenken, meint Busarac. Er verweist auf Holland, wo der Verband den besten der nationalen Rangliste Gehälter zahlen würde. „Bei uns dagegen wurde ein Talent sogar aus der Sportförderkompanie geschickt, weil für einen Billardspieler kein Platz sei“, erzählt er.  WoFi

German Grand Prix im Poolbillard in Neckarsulm

Viertelfinale: Bernd Jahnke (BV Fortuna Straubing) – Bernd Barchat (Pfullingen) 9:6
           Sebastian Staab (Kirkel Limbach) - Sinan Kodas (Billard Bianco Dieburg) 9:2
           Holger Gries (Karben) – Nicolas Ottermann (Walldorf) 9:5
           Evangelos Vettas (Dachau) – Lambros Vrakas (Böblingen) 9:2

Halbfinale:  Vettas – Gries 9:6, Janka – Staab 9:4

Finale:     Janke – Vettas 9:7.

30.12.2004 / Echo am Sonntag von Wolfgang Fischer

Preisgeld auch für die hinteren Ränge

16. Auflage der b & a Classics in Neckarsulm -Hier wurde Billard der Spitzenklasse geboten

Nur noch einer unter den weit über 200 Teilnehmern des "Revillo-Cup" im 9-Ball-Billard ist der Heilbronner Peter Busarac in diesem Jahr. Bis vor fünf Jahren war er einer der wenigen Profis in Deutschland, bis er feststellen musste, dass er von seinem Sport nicht leben konnte. Mit seiner reizenden Gattin Marlena übernahm er das "Manhatten" und Billard blieb sein Hobby.

In der Szene ist er natürlich als ein exzellenter Spieler noch gut bekannt. "Man benötigt beim Billard viel Zeit für`s Training, um sich an der Spitze halten zu können", stellt er fest. Aber er hat trotzdem nichts verlernt, denn er überstand die Vorrunde des Turniers und zog in die Endrunde der besten 64 ein. Schon damit hatte er ein Zwischenziel erreicht und konnte wirklich zufrieden sein.
Mindestens 50 Euro sind ihm sicher - zumindest das Startgeld war refinanziert. Zum 16. Mal wurde der "Revillo-Cup" vom Billardclub Neckarsulm im Bistro-Billard-Cafe Carambolage zwischen Weihnachten und Sylvester ausgespielt. Mit einem Gesamtpreisgeld von 10.200 Euro gehört es zu den drei größten Turnieren seiner Art in Deutschland. Und weil der Organisator die Summe nicht nur, wie sonst üblich, an die ersten Acht oder 16 verteilt, sondern in fairer Weise für alle Teilnehmer der Finalrunde noch einen Scheck bereit hält, hat die Veranstaltung einen Riesenzuspruch mit Spielern aus ganz Deutschland und weiteren sieben Nationen. Weltmeister, Weltranglisten-Erste waren bereits zu Gast.

"Billard ist im mentalen Bereich mit Schach verwandt", erzählt Basarac. Zur Willensstärke, Konzentrationsfähigkeit und Taktik kommen aber dann ein gutes Auge, ein wenig Geometrie und Motorik als körperliche Voraussetzungen dazu. "Wenn ich trainiere oder spiele, sehe ich nur noch den Tisch. Das Geschehen um mich herum registriere ich meistens nicht mehr", sagt der 29-Jährge.
Nur Marlena, seine Frau, sitzt dann in der Nähe, schaut ihm zu oder liest ein Buch oder ein Journal. Sie liebt genauso diese Ruhe "in einer stressfreien Zone". Das Spiel habe sich in den letzten Jahren verändert, stellte Busarac fest. Eine ausgefeilte Technik, vor allem beim Anstoß, sei wichtiger geworden, statt strategischer Überlegenheit. Wie beim Tennis ein starker Aufschlag Vorteile bringe, würden Billard-Topspieler mit ihrem Anstoß den Grundstein für den Punktgewinn legen.

Auf den Millimeter genau müsse die Kö-Spitze die Kugel treffen - und dann gehöre ein wenig Glück mit dazu, erzählt er. Und weil er vom Sport nicht mehr abhängig ist, freut sich Busarac noch mehr als früher über seine Endrundenteilnahme und dass er sich zu einem der Besten Hobbyspieler in Deutschland zählen darf.